St. Johannes - Geschichtliches
Der
Anfang der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Bad Saulgau geht in die
geschichtlich ungewisse Zeit der Missionierung der Alemannen durch fränkische
Glaubensboten zurück, die in Oberschwaben das Christentum einführten.
Nach einer Aufzeichnung im Stadtarchiv wurde nach einer vorgefundenen Tabelle
von 1759 die Kirche 819 von Kaiser Ludwig dem Frommen am 27. Juli 819 dem
Kloster Buchau gestiftet. Die jeweilige Äbtissin dieses Klosters war
daher bis zu dessen Aufhebung im Jahre 1802 Inhaberin des Patronatsrechtes
der Kirche in Saulgau.
Die 600-jährige Johanneskirche hat mehrere Vorgängerkirchen. Vom
erwähnten ersten Kirchenbau 819 sind Fundamentreste erfasst, von einer
weiteren, der ersten erfassbaren Kirche, sind noch Fundamente und Fußböden
vorhanden. Sie war eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika. Diese erfuhr
1270 bis 1280 eine wesentliche Erweiterung, aus dieser Bauphase stammen der
heutige Turm bis 27 m Höhe und das an ihn anschließende Mauerwerk
im Chor der Kirche. Der Turm diente mit der doppelbogigen Schallöffnung
als Wachturm für die städtische Hochwacht.
Diese alte Stadtkirche war gegen Ende des 14. Jahrhunderts zu klein und durch
Erdbeben teilweise zerstört worden.
Nach 1390 wurde mit dem Bau einer wesentlich größeren Kirche begonnen.
Diese Maßnahme erstreckte sich ungefähr bis zum Jahre 1430, das
Bauwerk erhielt seine heutige Größe und Form. Um 1400 wurde das
Altarhaus (der Chor), unter Einbeziehung der Nord - und Südwand des bestehenden,
um 6 m nach Osten verlängert und um 5 m erhöht.
Die Einweihung des neuen Chores mit Hochaltar erfolgte am 18. Februar 1402
durch den Konstanzer Weihbischof Heinrich Zirger. Anschließend erfolgte
in mehreren Abschnitten der völlige Neubau des Langhauses. Abgeschlossen
wurde der Bau der St. Johanneskirche mit der Errichtung des Westgiebels und
der hochgotischen, gewölbten Vorhalle mit Wandrundsäulen um 1450.
Ungefähr zur gleichen Zeit dürfte der Glockenturm um ein weiteres
Geschoß erhöht und die vier Kreuzgiebel sowie der achteckige Spitzhelm
aufgesetzt worden sein.
Die kostbare mittelalterliche Ausstattung der Kirche, von der noch die Glasfenster
im Schlossmuseum in Sigmaringen, Bilder des Hochaltars aus der Ulmer Schule
nach 1400 in der Stuttgarter Staatsgalerie sowie ein silbernes Prozessionskreuz,
die gotische Turmmonstranz und der Wettersegen erhalten sind, wurde im dreißigjährigen
Krieg schwer gemindert. Sie verschwand unter der 1716 einsetzenden Barockisierung
fast völlig. 1764 wurden die ruinösen Bretterdecken abgenommen und
durch barocke Stuckdecken ersetzt, der gotische Hochaltar wurde durch einen
barocken Hochaltar ersetzt, ebenso auch die Seitenaltäre.
1867 - 1870 erfuhr das innere der Kirche abermals eine wesentliche Veränderung.
Die gesamte Barockausstattung wurde entfernt, übrig blieben nur die Figur
des Heiligen Josef von Laiber und die Rokoko -Monstranz sowie
einige barocke Messkelche. Dem damaligen Zeitgeist in der 2. Hälfte des
19. Jahrhunderts entsprechend sollte der Kirche wieder das Aussehen der "reinen"
Gotik zurückgegeben werden. Anstelle der Stuckdecke erhielt der Raum nun
ein Lattenrippengewölbe und eine neogotische Ausstattung aus der Altarfabrik
Mayer in Saulgau, heute Mayersche Hofkunstanstalt München. Diese Ausstattung
wurde bei der 1956/57 durchgeführten Renovation entfernt, übriggeblieben
sind davon nur die Apostelfiguren und der Christuskorpus am Chorbogenkreuz des
Saulgauer Bildhauers Stärk.
1962 stiftete Martin Staud das siebenstimmige Geläut, das 4 Gussstahlglocken
aus den Zwanzigerjahren ersetzte, die anstelle der im ersten Weltkrieg eingeschmolzenen
6 Glocken (die siebte, übrig gebliebene Glocke dieses Geläutes wurde
später nach Schwäbisch Gmünd verkauft) aus dem 19. Jahrhundert
beschafft worden waren.
Die Renovation von 1985/86 gab der Kirche ihr ursprüngliches mittelalterliches
Aussehen zurück. Der gotische Chorbogen, der 1955 abgerissen worden war,
wurde wieder errichtet, die Quaderbemalung von 1402, unter dicken Putzschichten
verborgen, wurde freigelegt. Die neuen Decken des Mittelschiffes und der Seitenschiffe
wurden aus dem gotischen Grundraster der Kirche entwickelt. Ein glücklicher
Fund eines alten Deckenbrettes aus der Zeit um 1400 ergab die Form für
die Chordecke, deren Farbe dementsprechend angeglichen wurde.
Ein neuer Zelebrationsaltar mit Ambo und Taufstein wurde von Prof. Herbert
Albrecht gestaltet. Emil Kiess schuf den Hochaltar mit seinen vier Bildtafeln
als Kirchenjahresaltar, Peter Burkart gab der Marienplastik aus der Zeit um
1500 einen Schrein mit meditativen Bildern zum Marienleben, der Kirchenpatron
Johannes der Täufer (1948) von Berthold Müller - Oerlinghausen wurde
fürs Kirchenschiff gestiftet, eine Pieta aus der Zeit um 1500 kam ins
rechten Seitenschiff. Wendelin Matt schuf das unter Putzschichten wieder entdeckte
Sakramentshaus sowie den Tabernakel und die Leuchter. Die Kinzelmann - Stiftung
beschaffte für die Johanneskirche die "Geißelung" von
Otto Dix.
Bereits 1980 hatte Hans- Gerd Klais die große Orgel auf der Empore errichtet,
Hubert Rebmann schuf 1985 die Chororgel. HB
|