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Kunst in Kirchen heute - hier in St. Antonius

NebenaltarViele, die in St. Antonius kommen und die neuen Bilder des Malers Emil Kiess (geb. 1930, lebt in Fürstenberg-Donaueschingen) sehen, werden sich in der Situation Moses' vor dem brennen- den Dornbusch wiederfinden. Die scheinbare Mehrdeutigkeit dieser Formensprache auf den Bildern in einer Kirche wirft Probleme auf: Haben diese Bilder irgendeinen oder einen be- stimmten Inhalt, der auf christlichen Glauben verweist, oder sind es nur "Dekorationen"?

Moses stand vor dem brennenden Dornbusch, unsicher, verwundert. Er nimmt eine Gestalt von Form und Farbe wahr, sieht durchaus bekannte Dinge: Feuer und Dornbusch. Ungewöhnlich ist nur das Zusammensein beider, oder eigentlich auch nicht: Ungewöhnlich ist, daß das Feuer den Busch nicht verzehrt. Diese Beziehung ist merkwürdig ungewohnt. Hier geht es nicht um Naturwissenschaft, um Realismus oder Naturalismus, der Inhalt dieser biblischen Vorstellung liegt vielmehr in der wunderbaren, naturunmöglichen Beziehung der beiden Begriffe, die nicht zur Welt der empirischen Erfahrung gehört. Moses ist von dem Wunder angezogen, weiß aber zunächst nicht, was es zu bedeuten hat.
Diese Situation vor dem brennenden Dornbusch scheint etwas über das Verhältnis der neuen Bilder, aber auch über vieles, was sich "christliche Kunst" nennt und seinem Publikum auszusa- gen. Es ist die Vielseitigkeit der Kunst heute, die vielen bei der Begegnung mit solcher, beim Betrachten Probleme aufwirft. Es entsteht die Gefahr, daß einiges in das rein Subjektive abglei- tet, aber auch, daß alles an uns und nicht an den Bildern liegt. Dieser Frustration sollten wir entgegenwirken. Man muß unterscheiden zwischen Werken, die einen tiefgründigeren Hinter- grund haben und solchen, die nur "fromm" sein wollen. Und wir müssen damit einverstanden sein, daß "christliche Inhalte" nicht immer auf der Hand liegen. Kunst zu erleben, ist kein passi- ves Unternehmen, vielmehr eine aktive Haltung, sogar voller Kreativität. Man darf aber nicht rein dogmatische oder glaubenskonventionelle Forderungen an die Kunst stellen. Solche Kunst darf, soll auch das Unerwartete bringen, eine "evangelische Überraschung" bewirken. Sie bringt eine neue Sprache von heute, vom Alten mit neuen Worten reden, und vom Neuen mit noch nie gehörten Zungen. Das muß auch die Kirche in Kauf nehmen, wenn sie Kunst wirklich will und nicht bloß adäquate Illustrationen der Glaubenssätze sucht oder auch nur Heilige stumm ins Bild setzt.
Die neuen Bilder von Emil Kiess in St. Antonius geben Anlaß, wieder einmal auch über das Zueinander von Kirche und Kunst von heute nachzudenken. Hier ist allerdings nicht der Platz, das ausführlicher zu tun. Zu dieser Problematik ist in den letzten Jahren viel gesprochen und geschrieben worden.
Oft genug tun sich die Kirche, die Kirchengemeinden und die Vertreter kirchlicher Ämter schwer im Umgang mit zeitgenössischer Kunst und andererseits wird der Auszug der Künstler und das Fehlen guter, aktueller Kunst mit christlicher Thematik beklagt. Dies hat seine Gründe: Den Künstlern, Malern und Bildhauern wird immer wieder die Forderung gestellt, "christliche Kunst" zu schaffen. Darunter versteht man dann, festgelegte Glaubenswahrheiten zu illustrieren, verständlich und eindeutig darzustellen und dann wird auch noch in Kauf genommen, daß es ein wenig "modern" aussieht. Dahinter steckt aber auch die Forderung, Kunst zu glätten, sie als Repräsentationsobjekt zu mißbrauchen, oder als plakative Folie dogmatischer Sätze. Viele Theologen wollen nur ihre Wahrheit im Kunstwerk wiederfinden - ohne zu suchen. Viele Verantwortliche in der Kirche, die ja nicht nur Lehrende ist, haben gelernt, daß Kunst Antriebsfeder zur Transzendenz sein kann, daß künstlerische Äußerungen potentielle Orte der Gotteserfahrung sind. Und hier kann, hat die Kunst immer wieder Neues zu entdecken, nicht zu funktionalisieren. Wenn sie eigenständig bleibt, kann sie Neues verkünden, Unerwartetes, Unerhörtes, Mysterium. Bloße Weitergabe tradierter Inhalte wird immer leerer, weil sie den Menschen von heute nicht mehr entspricht. Statt Kunstgenuß ist Bekenntnis gefordert. Zum Schönen gehört das Erhabene, aber auch das Absurde, oft auch das Triviale und Existentielle, was betroffen macht. Wir dürfen nicht anspruchslos und dialogunfä- hig sein.

Die neuen Bilder (wollen Sie mehr über die Kunst in St. Antonius erfahren - Bitte klicken)


Seitenanfang Zuletzt geändert: 04.03.09