Anmerkungen zur Geschichte der St. Antoniuskirche
Im Jahre 1921 wurde die St. Antoniuskirche Bad Saulgau, die
damals "Franziskanerkirche" genannt wurde, von dem Rottenburger Weihbischof
Dr. Johannes Bapt. Sproll, dem späteren Bekennerbischof, wieder eingeweiht,
nachdem sie 110 Jahre lang aufgehoben war und als Kornschranne und Theatersaal
gedient hatte. Die Wiederherstellung der "Franziskanerkirche" geschah
auf den jahrzehntelangen Wunsch der Kirchengemeindemitglieder hin und wegen
der damals großen Platznot in der Stadtpfarrkirche.
Am 9. Oktober 1921 fand das große Fest statt, das am Samstag, den 8. Oktober
mit einer Festpredigt des Weihbischofs in der Stadtpfarrkirche begann, seinen
Höhepunkt in der Weihe am Sonntagmorgen hatte und am Nachmittag mit einer
"Katholiken-Versammlung" für Bad Saulgau und Umgebung weitergeführt
wurde. Die Stadt war prächtig mit Fahnen geschmückt, die Geistlichen
der Pfarrgemeinde, der Kirchenstiftungsrat, der Gemeinderat, Abordnungen der
Vereine geleiteten den Weihbischof vom Pfarrhaus zur St. Antoniuskirche.
Studienrat Josef Benz, ein Geistlicher, der lange Jahre am ehemaligen Lehrerseminar
gewirkt hatte, veröffentlichte zu diesem Festtag im "Oberländer"
vom 8. Oktober 1921 eine "Geschichte der St. Antoniuskirche". Josef
Benz hatte intensiv und lange Jahre an der Geschichte der Bad Saulgauer Kirchen
gearbeitet, seine Beschreibungen und damaligen Gutachten sind noch heute von
Bedeutung. Diese Darstellung seiner Geschichte der St. Antoniuskirche soll hier
im originalen Wortlaut wiedergegeben werden.
"DIE SCHICKSALE DER FRANZISKANERKIRCHE"
"Die Saulgauer Franziskanerkirche ist recht eigentlich
eine Kriegsgedächtniskirche von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen
Wiedereinweihung. Der Plan zu ihrer Erbauung fällt in das Ende des 30jährigen
Krieges, eine Zeit, die noch viel trostloser war als die unsrige. Schon ehe
der Konstanzer Generalvikar der neuen Franziskanerniederlassung am 17. April
1646 die Erlaubnis zum Bau eines Klosters mit Kirche erteilte, war die Stadt
durch Einquartierungen und Kriegsleistungen furchtbar mitgenommen worden. Das
Schlimmste kam erst noch: vom Dezember 1646 bis März 1647 hausten die Franzosen
aufs schrecklichste in der Stadt. Unter diesen Umständen war an die Ausführung
des Baues vorerst kaum zu denken. Bereitete doch schon die Beschaffung von Grund
und Boden große Schwierigkeiten. Nach dem Ratsprotokoll vom 28. Oktober
1648 schlug die Äbtissin von Buchau, die am 3. Mai1646 ihre Hilfe für
den Bau zugesagt hatte, die Bitte der Franziskaner um Überlassung eines
ihrem Stift gehörenden Platzes ab. Als die Patres darauf den Rat ersuchten,
ihnen einen Platz bei dem innerhalb der Stadt gelegenen Ehlerschen Hause, wo
sie damals wohnten, einzuräumen, erhielten sie den Bescheid, es wäre
für das Gemeinwesen bedenklich, in die Stadt bauen zu lassen, und noch
weniger vermöge man bei diesen leidigen und trüben Zeiten Häuser
zu kaufen; man wolle aber bei dem früher getanen Versprechen bleiben, ihnen
einen Platz außerhalb des Tores zu geben, falls die Frau Äbtissin
der Stadt einen anderen gleichwertigen abtrete. Dies geschah am 7. Januar 1650.
Es dauerte aber noch 14 Jahre, bis die Kirche am 28. September 1664 vom Konstanzer
Weihbischof Georg Sigismund eingeweiht werden konnte. Der Baumeister ist unbekannt.
Wie ihr Äußeres noch heute fast schmucklos und ungegliedert ist,
eine dauernde Erinnerung an die armseligen Zeiten ihres Entstehens, so wird
auch die Inneneinrichtung sich anfangs auf das Notwendigste beschränkt
haben. Erst seit dem Ende des 17. Jahrhunderts wurde es den Mönchen mit
Hilfe ihrer vielen Wohltäter möglich, das Gotteshaus zu verschönern.
Im Jahre 1738 bauten sie eine Empore für Abhaltung des Chorgebetes. Damals
sind jedenfalls die Kleeblattfenster an der Giebelseite angebracht worden. Dieselben
besitzen große Ähnlichkeit mit denen der Sießener Kirche, die
im Mai 1733 eingeweiht worden war. Von der Gräfin von Königseggwald-Aulendorf,
in deren Familie die Patres als Beichtväter kamen, erhielt das Kloster
im Jahre 1756 400 fl. zur Ausbesserung der Kirchendecke, die nach der jetzt
noch am Chorbogen befindlichen Inschrift im Jahre 1763 erfolgte. Damals wurden
die feinen, zart getönten Rokokostukkaturen angebracht, die noch heute
unser Entzücken sind. Um die gleiche Zeit muß der Kunstmaler und
spätere Bürgermeister Anton Rebsamen, der aus Sigmaringen stammte
und sich im Jahre 1758 nach Saulgau verheiratet hatte, das Antoniusgemälde
an der Chordecke geschaffen haben. Nach 1780 erhielt die Kirche ihren letzten,
aber schönsten Schmuck, die großartigen, klassizistischen Altarmalereien,
deren Schöpfer leider unbekannt ist; wohl hat man bei der Wiederherstellung
links vom Epistelseitenaltar einige Buchstaben aufgedeckt, die jedenfalls den
Namen des Meisters verewigen sollen; aber sie sind vorerst nicht zu deuten.
In der Mitte der Architekturmalerei wurden große Altarblätter mit
Ölgemälden angebracht, die nicht mehr vorhanden sind. Was sie darstellten,
läßt sich für die Seitenaltäre aus den Inschriften erschließen,
die sich noch in den Kartuschen über ihrem ehemaligen Standort befinden.
Auf der Evangelienseite stehen die Worte: So hat Gott die Welt geliebt (Joh
3,16). Das Bild enthielt also wohl eine Kreuzigungsgruppe; darauf weist auch
das Freskomedaillon im Altargiebel, das Jesus am Ölberg veranschaulicht.
Auf der Epistelseite findet sich eine Stelle aus dem Propheten Osee, die der
Evangelist Matthäus auf Christus anwendet: Aus Ägypten habe ich meinen
Sohn berufen. Sehen wir im Giebelmedaillon den Engel dem hl. Josef in Ägypten
im Schlaf erscheinen, so wird im Ölgemälde die Rückkehr der hl.
Familie aus Ägypten dargestellt gewesen sein.
Gegen das Ende des 18. Jahrunderts kamen über das Gotteshaus wieder schwere
Kriegszeiten, die es zuletzt seiner hl. Bestimmung entzogen. Von 1796 an wurde
es wiederholt als Militärspital benützt. Zuerst geschah dies durch
die Franzosen. Diese rissen die Bänke heraus, das Allerheiligste mußte
im Kloster geborgen werden, und der Raum, der bisher vom Gebet und Gesang der
Mönche und der Gläubigen widerhallt hatte, war jetzt erfüllt
vom Stöhnen der Verwundeten und Röcheln der Sterbenden. Am 17. Dezember
1810 wurde das Franziskanerkloster aufgehoben und am 9. Januar 1811 mußten
die Mönche abziehen. Bezüglich der Kirche kam am 6. Juni des gleichen
Jahres ein Mietvertrag zwischen dem württ. Staat und dem Amtspfleger Baumann
als Königlichem Salzfaktor zustande, wonach das Schiff sofort von Kameralamtswegen
und auf herrschaftliche Kosten geleert und sämtliche darin befindlichen
Kirchenstühle auf die Seite geschafft werden sollten, damit Baumann den
Raum vom 10. Juni ab als Salzstadel benützen könne. Die traurige Arbeit
wurde von Zimmermann Karg besorgt. Die Stühle wurden aber laut Ausweis
der Kirchenpflegerechnungen von der Pfarrgemeinde erworben und im vorderen Teil
des Schiffes der Stadtpfarrkirche verwendet; darum heißen die dort befindlichen
Kirchenbänke heute noch im Volksmund "Franziskaner-stühle".
Anfangs November 1812 wurden auch die Orgel, die Altäre und sonst noch
vorhandene Kircheneinrichtungsgegenstände nach Akten des Kameralamts Heiligkreuztal
im Ludwigsburger Finanzarchiv vom Staat um rund 500 fl. verkauft, nachdem die
Altäre von Stadtpfarrer Ilmensee durch Herausnahme der Reliquien entweiht
worden waren. Die Käufer sind nicht mehr zu ermitteln. Drei Jahre später
ging die Kirche samt Kloster durch Kauf in das Eigentum der Stadtgemeinde über.
Der untere Teil der Kirche wurde nach der Chronik Hafens in ein Gerstenhaus
verwandelt, der obere in ein Theater, welch letzteres jedoch im Jahre 1886 aus
feuerpolizeilichen Gründen einging. Ein fürchterlicher Gewittersturm
warf am 4. August 1859 das Türmchen ab; an seine Stelle wurde jedoch im
Jahre 1864 nach den Plänen, die Stadtbaumeister Dinser gefertigt und Oberamtsbaumeister
Rapp durchgesehen hatte, ein neues, gotisches gesetzt, das heute noch steht.
Die zierliche Form dieses schmucken Dachreiters ist zu einer Art Wahrzeichen
für die Stadt geworden. Hoffnungsvoll ging bisher der Fremde, der nach
Saulgau kam, ihm nach in der Erwartung, in der anscheinenden Kirche, die es
trägt, eine Sehenswürdigkeit anzutreffen. Aber wie wurde er enttäuscht,
wenn er an die Stelle kam. Was er fand, war ein entweihtes Gotteshaus, außen
verwahrlost, die Fensteröffnungen mit Brettern vernagelt, innen ein verstaubtes
Gerstenhaus. Nur die schön geschwungenen Kleeblattfenster am Giebel und
die Reste der Deckenstukkaturen und Altarmalereien über dem Zwischenboden
erinnerten an bessere Tage. Solche Pietätlosigkeit war ja gewiß keine
Seltenheit in unserem Lande, wurde aber vielfach in den günstigen Zeiten
seit 1870 wieder gutgemacht. Auch in Saulgau nahm man wiederholt einen Anlauf
dazu, aber immer wieder scheiterte das Werk hauptsächlich an der Schwierigkeit,
für das Gerstenhaus einen anderen Raum zu beschaffen. Vom Standpunkt der
Denkmalspflege darf es heute nicht bedauert werden. Wenn z.B. der Plan von 1908
seine Verwirklichung gefunden hätte, so wären zweifellos die alten
schönen Malereien noch vollends ganz beseitigt worden. Das Jahr 1920 sollte
eine erfreuliche Wendung bringen. Die landwirtschaftliche Genossenschaftszentrale
erbaute am Bahnhof ein Lagerhaus. Damit war das Haupthindernis für die
Wiederherstellung der Kirche beseitigt, und es wird ein bleibendes Verdienst
für die bürgerliche wie kirchliche Gemeinde bleiben, daß sie
trotz der schlimmen Zeitverhältnisse die Gelegenheit benützten, um
eine alte Ehrenschuld abzutragen. So kann die Kirche heute nach dem unglücklich
verlaufenen Weltkrieg ihr Wiedererstehen feiern, wie sie vor 257 Jahren nach
dem schrecklichen Dreißigjährigen Krieg ihre erste Enstehung erlebte."
Studienrat J. Benz, Saulgau
Als im Jahre 1921 die Franziskanerkirche revitalisiert wurde,
beteiligte sich die Bürgerschaft mit Begeisterung an dem Werk. Der damalige
Baubericht gibt Auskunft. Diese "Bau-Chronik" vom 8. Oktober 1921
berichtet davon, daß nach der Erneuerung der Stadtpfarrkirche 1862 schon
an die Wiederherstellung der Franziskanerkirche gedacht wurde. Eine Erweiterung
der Stadtpfarrkirche war damals erwogen worden, erwies sich aber als undurchführbar.
So konnte die Franziskanerkirche erst 1921, als für die Kornschranne das
heutige WLZ - Lagerhaus gebaut wurde, wieder zur Kirche verwandelt werden. Dekan
Monsignore Müller und Kirchenpfleger Arnold (Kürschnermeister) wie
auch Stadtschultheiß Mack, später Stadtschultheiß Luiz, war
dies ein großes Anliegen und eine Notwendigkeit. Auch Verwaltungsaktuar
Ertle mühte sich in mehreren Eingaben. Im September 1920, nachdem die Kirche
seit 15. August wieder der Pfarrei gehörte, wurden ein Arbeitsausschuß
und ein Sammelausschuß gegründet. Dabei waren die heute noch vielen
Gemeindemitgliedern bekannten Mitbürger Albert Drescher, Studienrat Benz,
Verwaltungsaktuar Ertle, Konditor Kuolt, Kaplan Späth, Hospitalpfleger
Hepp, Kirchenpfleger Arnold, Schultheiß Fiegle-Haid, Kaufmann Hoch, Oberamtspfleger
Krebs, Stadtschultheiß Luiz, Stadtbaumeister Weber, Redakteur Dr. Hutter
und Vikar Kolb. Vom Kunstverein der Diözese Rottenburg wirkte Pfarrer Albert
Pfeffer, Lautlingen, mit. Bildhauer Franz Müller, Schützenstraße,
fertigte Entwürfe zu den Altären, zu Chorgestühl, Kommunionbank
und Beichtstuhl. Die Firma Alfons Doerr führte diese Arbeiten zusammen
mit der Firma Müller aus, Bildhauer Alfons Doerr genoß für seine
Arbeiten ganz besondere Anerkennung. Maler Lehn marmorierte die neuen Stücke.
Die Firmen Doerr und Müller zogen zur Bearbeitung der Stuckaltäre
Richard Mayer - Rosa aus Neuhausen a.F. heran. Kunstmaler Rauch aus Saulgau
fertigte die dekorativen Wandmalereien (1962 abgegangen), Stukkateur Anton Bahnmüller
und Anton Schenk ergänzten die Barockstukkaturen und schufen sie teilweise
neu. Schenk arbeitete im Chor, Bahnmüller im Schiff. Gallus Roth aus München
restaurierte die Altarmalereien. Bildhauer Franz Müller stiftete die kostbaren
Altarleuchter, Kreuz und Ewiglichtampel im Empire-Stil, an der Ampel ist seine
Widmungsinschrift zu lesen. Gestühl, Beleuchtung, Solnhofer Plattenboden,
Fenster (vorher mit Brettern vernagelt) wurden von Saulgauer Bürgern gestiftet,
das Dach wurde erneuert, ebenso der Außenputz. Anstatt des Scheunentors
erhielt die Franziskanerkirche ihren Eingang, wie er heute noch zu sehen und
zu nützen ist. Das Portal stammt aus dieser Zeit. Monstranz, Kelche, Paramente,
Kerzenleuchter - alles mußte damals beschafft werden, war es doch einstmals
auf Befehl der Regierung des Königreiches Württemberg verkauft worden.
Eine Orgel konnte nicht beschafft werden - dazu fehlte das Geld. Deshalb stand
bis 1946 die Orgel der Liebfrauenkirche in St .Antonius und wurde dorthin zurückversetzt,
als in St. Antonius 1946 ein neues Instrument gebaut wurde.
Im Juni 1922 wurde die St. Antoniuskirche (Franziskanerkirche) mit den Bildern
von Gebhart Fugel ausgestattet, die damals auf großes Interesse stießen.
Das Hochaltarbild wird im Deutschen Volksblatt im Juni 1922 folgendermaßen
erwähnt: "Ein Kunstwerk ersten Ranges hat der Hochaltar erhalten,
eine Kreuzigungsgruppe, 4 Meter hoch, 2,50 Meter breit. Hier hat der Künstler
sein Bestes gegeben, er hat sich selbst übertroffen. Das Auge wird nicht
satt von dem Erhebenden und Ergreifenden. Unter dem Kreuz stehen bzw. knien
wehklagend die Hl. Mutter, Johannes und Magdalena zur Linken, Franziskus, die
gute Betha von Reute und Elisabeth von Thüringen zur Rechten, eine glückliche
Komposition für eine Franziskanerkirche."
In den Jahrzehnten danach diente die St. Antoniuskirche Schülergottesdiensten,
Sonntagsgottesdiensten, ein reges gottesdienstliches Leben erfüllte sie.
1962 wurde sie einer Renovation unterzogen. Dieser Renovation fiel der größte
Teil der Ausstattung von 1921 zum Opfer: die Altartische, die Kommunionbank
und der Kanzel-Schalldeckel (seither war die Kanzel nur noch ein Torso und wurde
daher jetzt vollends entfernt, zumal die neue liturgische Ordnung keine Verwendung
mehr für sie vorsieht), eine Pieta. Die Decke erhielt eine leicht farbige
Fassung, eine elektrische Heizung wurde eingebaut, ein neuer Fußboden
gelegt. 1946 bekam die St. Antoniuskirche eine neue Orgel, die aus dem "Kirchenbaufonds"
für St. Johannes finanziert wurde. Dieses Instrument war seit Jahren irreparabel
schadhaft, weil mit schlechten Materialien gebaut, und wurde jetzt entfernt.
In den letzten Jahren wurde eine erneute Renovierung der St. Antoniuskirche
trotz vielfältiger anderer Aufgaben und Verpflichtungen der Kirchengemeinde
unaufschiebbar, wenn man sie als Gottesdienstort erhalten wollte. Schadhaft
waren die gesamten Einrichtungen geworden: aus den Steckdosen rann Kondenswasser;
Kältebrücken an den Decken ließen die Kirche immer unansehnlicher
werden; wegen des durchfeuchteten Mauerwerks war das Klima in der Kirche sehr
schlecht, auch, weil zu wenig Luftaustausch stattfinden konnte; das Heizsystem
war zu energieaufwendig und dem alten Raum nicht mehr dienlich; die kostbaren
Altarleuchter oxydierten; die Böden begannen auszubrechen; die Bänke
waren verschlissen. Das Deckenbild im Schiff war seit dem 19. Jahrhundert zerstört
und bestand weithin aus braun geschlämmtem Putz.
So wurde vom Kirchengemeinderat und seinem Bauausschuß ein Konzept zur
Renovierung der St. Antoniuskirche in Zusammenarbeit mit dem Bischöflichen
Bauamt der Diözese Rottenburg - Stuttgart und dem Landesdenkmalamt erarbeitet
(sämtliche Arbeiten und Entscheidungen im Rahmen einer Kirchenrenovation
sind von diesen beiden Institutionen genehmigungspflichtig).
Die St. Antoniuskirche ist eine Saalkirche - im Gegensatz zur
Pfeilerbasilika der Stadtpfarrkirche. Diese Saalkirche bietet für den Gottesdienst
und die pastoralen Anliegen der Gemeindeleitung eine neue Chance zur Verwirklichung
von gottesdienstlichen Formen, welche die gotisch-romanische Wegekirche St.
Johannes nicht zuläßt. Deshalb wird der neue Zelebrationsaltar auf
einer aus dem Chorraum ins Kirchenschiff herausragenden Altarzunge seine Aufstellung
erhalten; der Priester und das Gottesdienstgeschehen rücken dadurch näher
zur Gemeinde hin. Der Priester kann in verschiedenen Formen der gottesdienstlichen
Gestaltung die jeweilige Gemeinde situationsbezogen um den Altar versammeln,
etwa Kinder- und Jugendgruppen, eine kleine Hochzeitsgemeinde oder betagte Menschen
und Rollstuhlfahrer aus dem benachbarten Alten- und Pflegeheim St.Antonius,
für die übrigens eigens ein Durchgang aus dem Kreuzgang des Altenheims
in die St. Antoniuskirche geschaffen wurde. Gleichzeitig kann der Chorraum der
St. Antoniuskirche für kleine Gruppen genutzt werden, etwa zur Anbetung,
zu Andachten oder anderen liturgischen Formen, je nach pastoralem Bedarf. Die
St. Antoniuskirche wird mit diesem Raumkonzept zu einer sinnvollen Ergänzung
der Pfarrkirche St. Johannes und eröffnet gerade kleineren Gottesdienstgemeinden
(Zielgruppen) neue liturgische Möglichkeiten.
In diesem Zusammenhang muß auch die neue Bestuhlung gesehen
werden: sie wird aus Stühlen bestehen, die in der Grundaufstellung miteinander
verbunden sind und ein Sitzpolster, eine Kniegelegenheit, sowie eine Ablage
für das Gesangbuch haben. Die stabile Stuhlkonstruktion, die eigenes für
Kirchen entwickelt wurde, ist u.a. in der Seitenkapelle der Stuttgarter Konkathedrale
St. Eberhard zu sehen. Das in einer festen Grundaufstellung stehenden Gestühl
kann, wenn es gottesdienstliche Belange erfordern, umgestellt werden, etwa zu
Kranken-, Kinder-, Familien- oder Jugendgottesdiensten. Für den Chorraum
werden Stühle angeschafft, die dort bei Bedarf für kleine Gottesdienstversammlungen
bis zu etwa 50 Personen aufgestellt werden können.
Mit dem neuen, dem historischen und würdigen Raumkonzept
entstehen der Pfarrgemeinde zusätzliche Möglichkeiten und Chancen
bei der gottesdienstlichen Feier. Der äußere Rahmen kann Herausforderung
sein und Einladung, er ist aber doch nur eine Hülle, in der Gottes Gnade
am Menschen souverän wirksam werden will. Alle Kunst, Architektur und Bemühung
stehen in diesem Dienst.
Hugo Birkhofer (1996) Vorsitzender des Bauausschusses des Kirchengemeinderats.
|